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CD-Review

Рэкі прабілі лёд

Artikel veröffentlicht am 19.02.2012 | 1240 mal gelesen

Was für eine faustdicke Überraschung! Befürchtete ich bei dem Namen RE1IKT im ersten Moment noch Mittelmaß aus der Darkwave-, EBM- oder Industrial-Richtung, erwischen mit die Weißrussen mit "Рэкі прабілі лёд" (in römischer Schrift "Reki prabili liod", übersetzt in etwa "Der Fluss brach durch das Eis") vollkommen auf dem falschen Fuß. Aber manchmal bin ich dafür sehr dankbar...

Ich muss zugeben, ich habe ein Weilchen gebraucht, um "Рэкі прабілі лёд" richtig schätzen zu lernen - genauer kontaktierte mich Gitarrist Vitaly Makshun bereits Anfang des Jahres, um in aller Bescheidenheit für die fünfköpfige Band zu werben. Stieß mir an dieser Stelle der Hinweis auf weißrussischen Folk etwas auf, muss ich nach ausgiebigem Genuss der sieben Songs feststellen, dass diese Folk-Einflüsse sehr gut versteckt sind oder ich einfach nichts von osteuropäischem Folk verstehe. Einzig "Рана на Івана" ("Am Anfang des Ivan") scheint eine moderne Version eines weißrussischen Volksliedes zu sein.

Was aber servieren RE1IKT dem geneigten Hörer denn nun? Ich habe mich bis hierher nicht ohne Grund um eine Einstufung gedrückt, denn die fällt mir wirklich schwer. Ehrlich gesagt wirkt "Рэкі прабілі лёд" auf mich derart frisch und unverbraucht, dass eine prägnante Beschreibung völlig unmöglich ist. Ich würde die gute Stunde irgendwo im Bereich des Postmetals/Postrocks verorten, wobei ich auch eine Menge Grunge, Sludge und Doom Metal heraushören kann. Dabei verstehen RE1IKT es auf allererstaunlichste Art und Weise, durch Tempowechsel, Laut/Leise-Kontraste und variable Gitarrensounds eine unglaubliche Dynamik zu erzeugen. Selbst Songs jenseits der Zehn-Minuten-Marke weisen keinerlei Längen auf, bleiben zu jeder Sekunde spannend.

Über diesem instrumentalen Fundament erklingt durchgängig klarer Gesang, der (auch in mehrstimmigen Passagen) technisch einwandfrei ist und sich atmosphärisch perfekt eingliedert. Dass die Texte alle in Weißrussisch gehalten sind, ist im ersten Augenblick sicher ungewohnt, entfaltet aber nach und nach eine Wirkung, die der emotionalen Dimension der Musik selbst in nichts nachsteht.

Was RE1IKT in meinen Ohren zu einer ganz besonderen Band macht, ist nicht nur ihr einzigartiger musikalischer Ansatz, sondern auch eine ganz eigentümliche Stimmung, die "Рэкі прабілі лёд" erzeugt. und ich bin überzeugt, dass niemand, der sich das Album ein paar Mal anhört, enttäuscht sein wird - ganz im Gegenteil!

Das Beste ist aber: "Рэкі прабілі лёд" steht auf der RE1IKT-Homepage zum kostenlosen Download bereit. Wer mag, darf sich also gern davon überzeugen, ob ich nur dummes Zeug rede oder RE1IKT zu Recht als echte Überraschung und absoluten Geheimtipp bezeichne.


Kommentare




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Eugen
melden Eugen | 23.02.2012 | 12:21 Uhr

Ziemlich interessant. Und spannend. Wenn der Osten endlich mal entdeckt, dass sie weltweit mitmischen können, werden noch viele spannende Einflüsse auf uns zukommen. Heißt "Рана на Івана" nicht Die Wunde des Ivans? Ich kann nur...  

falk
melden falk | 05.03.2012 | 16:03 Uhr

Danke für den Hinweis, Eugen! Ich habe mir die Songtitel von Google aus dem Weißrussischen übersetzen lassen. Eine Übersetzungs-Alternative zu "Рана", die in Richtung des Begriffs "Wunde" geht, bietet Google nicht an. Die Übersetzung könnte...